von Roland Schimmelpfennig

Hintergrund-Foto: René Jungnickel

Eine Kooperation der Landesbühnen Sachsen mit dem Societaetsthetaer Dresden

 

Regie: Sandra Maria Huimann

Ausstattung: Irina Steiner
Komposition: Tobias Herzz Hallbauer
Dramaturgie: Clara Pauline Schnee
 

 

 

Kritik:

"Der Autor Roland Schimmelpfennig hat aus dem märchenhaften Klassiker von Lewis Carroll eine Phantasmagorie gestrickt, aus der die Schauspielerin, Sängerin und Regisseurin Sandra Maria Huimann nun ein höchst eigenes Konstrukt inszeniert hat.

[ ] ... erwies sich die Premiere am Societaestheater als intensives Theatererlebnis. Intensiv und durchaus verstörend, nach rund zweienthalb Stunden Spieldauer, aber heftig gefeiert.

Von kindgerechtem Märchenspiel keine Spur. Stattdessen ein Ausflug in die Psychosen des Wahnsinns. Hat Alice tatsächlich nur etwas geträumt? [ ] Oder ist sie am Ende ihres Lebens zerissenen Teilen der eigenen Vergangenheit wiederbegegnet, die sich nun nicht mehr plausibel zusammenfügen lassen? Das Stück liefert durchaus mehr Fragen als es Antworten bietet.

Das war bei der ursprünglichen Vorlage von 1865 schon so, wurde in der 2003 in Hannover uraufgeführten Schimmelpfennig-Version noch verstärkt und ist in Huimanns Dredner Sichtung schier auf die Spitze getrieben.

Wer ist da wer, warum und wieso? Die agierenden Figuren werden geradezu ins Rätselhafte getrieben, in ein Wunderland, das niemand je so fand, dem aber nur schwer zu entkommen ist.

Sandra Maria Huimann setzt auf die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen. Das Mädchen Alice heißt im fortgeschrittenen Alter Alice Alzheimer und schwankt über die weiße Bühne ebenso wie durch die Jahrzehnte. [ ] Schockierend wie die jeweiligen Zustände nicht nur der alten Alice, sondern auch ihrer Pfleger, der Ärztin und eines weiteren Patienten sind auch Musik- und Videoeinspiele (komponiert von Tobias Herzz Hallbauer, Collage von der Regisseurin.)

~ DRESDNER NEUESTE NACHRICHTEN, Michael Ernst, 8.Oktober2021

Seitenhintergrund-Foto: André Wirsig